Über mich

Ich bin seit vielen Jahren Audiotherapeut aus Überzeugung. Meinen Job mache ich mit viel Leidenschaft. Und das ist reiner Zufall, denn: Leben ist das, was passiert, während du Pläne für was anderes machst:-)

Geboren wurde ich 1972 in Hamm/Westfalen. Trotz schöner und behüteter Kindheit war diese nicht immer einfach. Bei der Einschulung wurde eine Schwerhörigkeit beidseits festgestellt. Warum ich dann im Alter von 6 Jahren nur ein Hörgerät bekam, wer wusste das schon? Damals hieß es echt: „Eine Seite versorgen, das reicht“. Nun ja… 

Da die Schwerhörigkeit bei mir progredient verläuft, das heißt, sie schreitet langsam voran, endet sie wohl irgendwann mit der Taubheit oder besser gesagt, mit der Versorgung von Cochlea-Implantaten, mit denen man trotz Taubheit hören kann. 

Damals wusste ich so etwas natürlich nicht. Als mein HNO mir sagte, mit Ende 20 sei ich taub, da war ich schon ganz schön geschockt. Da war ich 14. Um Himmels willen, mit so einer Diagnose hat er mich dann allein gelassen. Es kam, wie es kommen musste: Ich verschloss die Augen, klammerte mich an meine ab da beiden Hörgeräte und wollte von dem Thema nichts mehr wissen. 

Als mit Hörgeräten Hörender wusste ich doch gar nicht, dass das nicht alles war. Ich wusste nicht, dass es eine Hörwelt um mich herum gab, die immer immer größer, meine eigene Hörwelt aber immer kleiner wurde. Wie auch? Ich hatte keine Ahnung. Meinen Eltern wurde gesagt, mit Hörgeräten sei das Problem gelöst und so kam es, dass ich mir gar keine Gedanken darüber machte, warum das Leben, das interaktive, immer schwieriger wurde. 

Was folgte, war nicht mehr folgen können, waren Selbstzweifel und vor allem Unverständnis von anderen, denen ich mich nicht zu erklären wusste. 

Durch einen Zufall erfuhr ich vom Deutschen SchwerhörigenBund-Ortsverein in Münster. Das war, als würde man aus einem Alptraum aufwachen. Endlich war ich nicht mehr der komische Typ, der nichts verstand, dem man alles immer dreimal sagen musste. Plötzlich war ich unter Menschen, denen es genauso ging. Und mir wurde schlagartig klar: Nicht ich war das Problem in der Welt mit den Anderen. Meine Ohren waren das Problem in der Welt zwischen mir und den anderen. 

Es begann endlich eine Zeit, in der ich begriff, dass ich mich als Hörgeschädigter nicht schlecht fühlen musste, nur weil ich schlecht hörte. Ich musste einfach lernen, mit der Hörschädigung in einer hörenden Welt klar zu kommen. 

Endlich begriff ich, dass ich niemals ein gut hörender Mensch sein würde, niemals so gut, wie ich mich mit Hörgeräten geglaubt hatte. Erschöpfung nach einer Vorlesung im Studium, Verzweiflung auf Geburtstagsfeiern mit Lachen über Witzen, die ich nicht verstand. Angepasst sein müssen, wissend, dass es nicht geht. Nach innen verzweifeln und nach außen hin lächeln… Mir wurde klar, warum, wieso und weshalb. 

So begann sie, die Auseinandersetzung mit der Hörschädigung. Endlich fand ich Antworten. Endlich fand ich Wege, besser zu kommunizieren, auch wenn das Hören schlecht war. Endlich fand ich den Frieden mit der Behinderung, die ich so lange nicht wahrhaben wollte, gegen die ich so lange gekämpft hatte. 

Und es begann noch etwas. Es begann meine Arbeit mit und für hörgeschädigte Menschen und ihren Co-Betroffenen. Menschen wie du und ich. Menschen, die ähnliche Lebenswege gehen (mussten) und Menschen, denen nun solche Wege hoffentlich erspart bleiben. 

Ich hing meinen alten beruflichen Lebensweg an den Nagel und nahm Abschied von einem Leben insgesamt, in dem ich nie wirklich zuhause war. Weil ich nicht ich war. 

Und ich fing an, das zu tun, was ich nun seit über 25 Jahren mache. Menschen zu helfen, das HÖREN zu VERSTEHEN….

In der Zwischenzeit habe ich viele Aus-, Fort- und Weiterbildungen gemacht. Aber am meisten gelernt habe ich in den letzten 25 Jahren von den Menschen, die sich mir anvertraut haben. Menschen, mit denen ich arbeiten durfte. Menschen, die mir gezeigt haben, dass es noch viel zu tun gibt in einer hörenden Welt, der das Verstehen von Schwerhören so schwer fällt. 

Danke für das Vertrauen, dass Sie mir alle geschenkt haben, das ihr mir alle geschenkt habt. Ihr habt mein Wissen erweitert. Wissen, dass ich gern auch weiter gebe an all die, die HÖREN VERSTEHEN möchten…

Übrigens: Taub bin ich immer noch nicht. Wenn inzwischen auch nah dran:-) – wahrscheinlich hat sich mein HNO damals ordentlich verschätzt, oder ich hatte es damals einfach falsch verstanden:-)